Lange Zeit kannte kaum jemand in Deutschland die Werke von Jane Austen. Erst ihre Verfilmungen brachten die britische Schriftstellerin in alle Munde. Kurz vor ihrem 200. Todestag am 18. Juli legte Denis Scheck, Literaturkritiker, Übersetzer und Journalist in Hörfunk und Fernsehen, bei seiner Vortragsreise eine Station in Leverkusen ein.

Manfred Gottschalk, Inhaber der gleichnamigen Schlebuscher Buchhandlung, hatte ihn im Rahmen von "Museum Litterale" - einem 1996 von der Buchhandlung in Zusammenarbeit mit Museum Morsbroich und KulturStadtLev entwickelten Veranstaltungsformat - ins Schloss Morsbroich eingeladen. Der Spiegelsaal drohte aus allen Nähten zu platzen. Zuhörer mussten auf das Obergeschoss ausweichen. Mit dem Ergebnis, dass im ganzen Raum Sauna ähnliche Zustände herrschten. "Ich könnte natürlich zu manchen Lesungen ins Forum ausweichen", räumte der Buchhändler ein, der in diesem Jahr das 70-jährige Bestehen seines Geschäfts feiert. "Aber ich will unbedingt im Schloss bleiben, denn sonst wäre es nicht mehr 'Museum Litterale'". "Drei Themen dominieren die Literatur: Liebe, Tod und Geld", schilderte Scheck, ehe er seine Zuhörer mit akustischen Aufgüssen aus dem Roman "Vernunft und Gefühl" verwöhnte. Allerdings begann die Lesung mit leichter Verspätung. Ein Mann musste erst noch seinen Pkw wegsetzen, weil dieser die Feuerwehrzufahrt versperrte. Es sei "wirklich erstaunlich, dass in den Gesichtern der Menschen ein glückseliges Lächeln auftaucht, sobald der Name Jane Austen fällt", sagte Scheck schließlich. Das liege nicht zuletzt daran, dass man sich auf die Schriftstellerin immer einigen könne. Sie sei auch eine seiner Lieblingsautoren, deren erster Roman sich anfangs "fast wie eine Schufa-Auskunft" lese, so Scheck. Die Erzählung dreht sich so unterhaltsam wie erhellend um die Suche nach dem Menschen fürs Leben. Beschrieben wird die Geschichte zweier ungleicher Schwestern, die lernen, mit ihrer Enttäuschung zu leben und nach einer dramatischen Zuspitzung der Ereignisse den Standpunkt der jeweils anderen besser zu verstehen. Insgesamt besticht das Werk durch seinen gelungenen Handlungsaufbau, herrliche Charakterzeichnungen und großartige Dialoge. Nicht zuletzt seine besondere Ironie lässt den Roman zum Vergnügen für Hörer und - in diesem Fall für Scheck als Leser - werden. Kein Wunder also, dass die literarische Bedeutung von Jane Austens in der englischsprachigen, vor allem in der britischen Kultur, ähnlich hoch angesehen ist, wie beispielsweise die Komödien von William Shakespeare.

Quelle: RP

... und dazu unser kleiner Kommentar, dem Nachwort von Denis Scheck zu "Vernunft und Gefühl" folgend:

Wussten Sie, dass Jane Austens „Verstand und Gefühl“ zunächst als Briefroman angelegt war? Dass Jane Austen den Prinzregenten Englands vermutlich persönlich kannte? Oder dass Marc Twain Jane Austens Leichnam am liebsten ausbuddeln und ihr ihr eigenes Schienbein über den Schädel ziehen wollte? Ja? Dann waren Sie vermutlich am Donnerstag-Abend im Schloss Morsbroich. In der Veranstaltungsreihe des „Museum Litterale“ war dieses Mal Denis Scheck zu Gast. Der Literaturkritiker stellte eine Neu-Übersetzung von Austens „Verstand und Gefühl“ vor. Sein Fazit: Austen ist ein „Wie-kann-man-nur!“ auf zwei Beinen. Weiterhin schließt er sich Austens Zeitgenossen Walter Scott an: „Diese junge Frau verfügt über das Talent, alltägliche Verwicklungen, Gefühle und Charaktere zu beschreiben, ein so wundervolles Talent, wie es mir noch nie begegnet ist“.


 

 

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